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Heimatbuch Obergriesbach/Zahling

 Titelseite Heimatbuch Obergriesbach/Zahling






















Inhaltsverzeichnis


Geleitwort des Landrates

Geleitwort des Bürgermeisters

Vorwort

Einleitung





 






 



 

Kapitel  1 

Die Geschichte der Gemeinde

Die geschichtliche Vergangenheit

Die erste Erwähnung Obergriesbachs

Die erste Erwähnung Zahlings

Das Geschlecht der "Nobilis de Griezbach"

Das Geschlecht derer von Weichs

Das Geschlecht derer von Thurn und Taxis

Das Geschlecht derer von Gravenreuth


Kapitel  2 

Die Feudalzeit

Die Hierarchie

Das Lehnssystem

Die Besitz- und Herrschaftsverhältnisse

Der Zehent

Der Frondienst

Der Dorfhirte

Die Viehweide- und die Viehhaltung

Die Orts- und Gerichtsherrschaft

Das Gerichtswesen

Das Dorfgericht

Der Begriff Hofmark

Das Orts- und Patrimonialgericht


Kapitel  3 

Von der Feudalherrschaft zur selbständigen Gemeinde

Die Gemeindebildung

Die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat

Der Haushalt der Gemeinde

Die Aufgaben der Gemeinde

Die Gemeinden und ihre Bürgermeister

Das Gemeindewappen

Die Verwaltungsgemeinschaft

Die Gemeinde im Internet

Die Partnerschaft Zahling/Zahling


Kapitel  4

Das Ortsbild, die Häuser, die Höfe und die Einwohner

Das Gemeindegebiet

Das Ortsbild im Wandel der Zeit

Die Ortsplanung und die Siedlungen

Die Feld- und Wegkreuze

Das Schloss von Obergriesbach

Die Weidachmühle

Der Weiler Latzenhausen

Die Hausnamen

Die Einwohner

Die Einwohnerzahlen


Kapitel  5 

Die Kirchen und die kirchlichen Einrichtungen

Die Kirche im frühen Mittelalter

Die Kirche von Obergriesbach

Die Kirche von Zahling

Die Aukapelle

Die Schimmelkapelle

Die Pfarrer

Die Bruderschaften

Die Pfarrhöfe

Die Friedhöfe

Der Kirchenbesitz

Die Konfessionen

Die Pfarreiengemeinschaft

Der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung

Der Kirchenchor

Der katholische Deutsche Frauenbund


Kapitel  6 

Die Schulen und die sozialen Einrichtungen

Die Schule von Obergriesbach

Die Schule von Zahling

Der Kindergarten

Die heilpädagogische Tagesstätte

Die Abenteuerschule

Die Volkshochschule

Die Spielplätze


Kapitel  7 

Gesellschaftliches und kulturelles Leben

Volkskundliches und Brauchtumspflege

Das Heimatfest in Obergriesbach

Das Schlosscafe

Legenden und Anekdoten

Der Dorfwettbewerb

Der geografische Mittelpunkt

Das Jugendferienprogramm

Die Jugendtreffs

Freizeit und Hobby

Aus der regionalen Presse


Kapitel  8 

Natur- und Landschaftsraum

Aufbau und Gestalt der Landschaft, die Geologie der Gemeinde

Zeugnisse tertiären Vulkanismus in Zahling

Von Elefanten und Nashörnern

Dorf und Landschaft

Die Flurnamen

Der Griesbach

Der Dorfweiher

Das Paartal

Die Biotope


Kapitel  9 

Land und Forstwirtschaft

Die Entwicklung der Landwirtschaft

Die Feldgeschworenen

Die Flurbereinigung


Kapitel  10 

Infrastruktur

Die Elektrifizierung

Die Wasserversorgung

Die Kanalisation

Der Straßenbau und die Ortsstraßen

Die Gasversorgung

Der Wertstoffhof

Der Bauhof

Das Haus der Bäuerin


Kapitel  11 

Wirtschafts- und Erwerbsleben

Die Handwerksbetriebe und der Handel

Die Brauerei

Die Gastronomie


Kapitel  12 

Verkehrs-, Nachrichten- und Bankwesen

Die Eisenbahn

Der Park + Ride Platz

Die Buslinien

Die Post

Die Raiffeisenbank


Kapitel  13 

Kriegsgeschichte

Das Kriegsgeschehen in den Gemeinden

Die Gefallenen und Vermissten


Kapitel  14 

Die Vereine

Die Geschichte und die Aufgaben der Vereine

Das Gemeinschaftshaus

Die Geschichte der Feuerwehren

Die Feuerwehr von Zahling

Die Feuerwehr von Obergriesbach

Die Geschichte der Schützenvereine

Die Hubertusschützen

Die Edelweißschützen

Der Krieger- und Soldatenverein

Der Männergesangverein

Der Sportverein

Die Katholische Landjugend

Der Obst- und Gartenbauverein

Der VdK-Ortsverband

Der Musikverein

Der Tennisclub

Der Trachten- und Wix'n Verein

Die Gruppe Zeitklang


Nachwort


Anhang

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Bild- und Dokumenteverzeichnis



Leseproben:


Aus Kapitel  1

Die geschichtliche Vergangenheit

Wie sich der Vorgang der Dorfgründungen im Einzelnen vollzogen hat ist heute noch weitgehend ungeklärt. Es besteht aber Übereinstimmung darüber, dass am Anfang der Entwicklung kein Gemeinwesen sondern nur Einzelhöfe standen.

  Um die Entstehung einer Gemeinde darzustellen ist es daher unabdingbar, die Verhältnisse der Vorzeit aufzuzeigen. Welchem Adelsgeschlecht unterstand die Region, wie waren die Macht- und Besitzverhältnisse, wie war die Bevölkerung gegliedert, wo waren die Oberzentren.

  Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft im 5. Jahrhundert lebten in unserem Raum  romanisierte Kelten und Germanen. Später drängte germanischer Zuzug aus Norden und Nordosten die kelto-romanische Bevölkerung zurück. Führend waren dabei die Bajuwaren. Sie zwangen die Eingesessenen zur Landteilung, übernahmen das römische Fiskalgut und gründeten Sippensiedlungen in Form von Einzelhöfen oder Weilern. Die grundherrschaftliche Struktur wurde aber auch stark von den Bistümern Augsburg und Freising bestimmt. Dies änderte sich erst, nachdem die Ungarn endgültig geschlagen und vertrieben worden waren. Ab dem so genannten Epochenjahr 1000 übernehmen bedeutsame Grafenfamilien Kirchen- und Reichsbesitz. Es entsteht das Feudal- und Lehnssystem, welches auf Jahrhunderte die Grundlage des staatlichen Lebens bilden sollte.

  Im 8./9. Jahrhundert saßen an den Oberläufen von Ilm, Glonn und Paar Adelsgruppen die untereinander versippt waren, wie z. B. in Adelzhausen oder Ecknach. Für Obergriesbach und Zahling gibt es hierüber keine schriftlichen Nachweise. Aufgrund der später datierten Dokumente kann man aber davon ausgehen, dass auch hier schon Einzelhöfe standen. Zahling ist hierfür ein Beispiel, denn der Ortsname leitet sich von dem altgermanischen Personennamen Zallo ab.

  Die großen Adelsgeschlechter stützten sich auf Edelfreie und vor allem auf Ministerialen, das heißt auf Dienstmannen. Diese saßen auf zahlreichen Burgen und befestigten Meierhöfen. Dieses Lehnssystem hatte aber auch zur Folge, dass es durch Schenkungen, Heirat, Schiedssprüche, Erbschaften oder Tausch zu häufigen und sehr schnellen Besitzverschiebungen sowohl bei Lehnsherren als auch bei Lehnsträgern kam, was die Zurückverfolgung in die Anfangszeiten oft unmöglich macht.


Aus Kapitel  2

Der Begriff Hofmark

Aus den Dorfgerichten des 14. Jahrhunderts entstanden im 15. Jahrhundert die Hofmarken, deren Herren Adelige waren. Ihr Besitz umfasste meistens nur ein Dorf. In so genannten geschlossenen Hofmarken unterstanden alle Bewohner dem Hofmarksherrn, in so genannten nicht geschlossenen Hofmarken nur die Bauern, welche seine Güter bebauten. Geschlossene Hofmarken mit den dazugehörigen Fluren durften von den Landgerichtsschergen zur Ausübung ihres Amtes nicht betreten werden. Der Hofmarksinhaber hatte umfangreiche Kompetenzen. Er stellte zugleich Amtsgericht, Finanzamt und Musterungsbehörde dar. Er war auch für die Ansiedlung von Gewerbe auf seinem Gebiet zuständig. Im Jahre 1752 verfügte die gesamte geschlossene Hofmark Obergriesbach (mit Zahling und Latzenhausen) über 92 Anwesen und zwar:

  In Obergriesbach 49 Anwesen, davon zwei Stück 1/1 Höfe (Weiherbauer und Bauer am Hof), ein Stück 3/4 Hof (Winterholler), ein Stück 1/2 Hof (Adam Schedl), dreiundzwanzig 1/8 Höfe (Bäck, Alter Schuster, Maurer Jackl, Bader, Pfeifflenz, Weberbastl, Schmied, Kopp, Galljörgl, Völler, Saujörgl, Reiter, Unterhauser, Webermartl, Bergkasper, Tafern, Kramer, Georg Gäßl, Carl Hiesl, Wostengütl, Großheiß, Blasischneider, Pradljörgl), sowie sechs je 1/12, dreizehn je 1/16 und drei je 1/32 Höfe.

  In Zahling 40 Anwesen, davon vier Stück 1/1 Höfe (Gaill, zweimal Gollinger, Sturm), ein Stück 1/2 Hof (Ortski), ein Stück 1/4 Hof (Wirt), fünfzehn je 1/8 Höfe, zwölf je 1/16 Höfe und sieben je 1/32 Höfe, wobei hier die Höfe nur teilweise zur Hofmark zählten. Andere gehörten Kloster Scheyern bzw. dem Servatiusstift in Augsburg.

  In Latzenhausen gab es einen 1/1 und einen 1/8 Hof. Die Weidachmühle mit einem 1/3 Hof gehörte ebenfalls zur Hofmark Obergriesbach.


Aus Kapitel  3

Von der Feudalherrschaft zur selbstständigen Gemeinde

Die Besteuerung von alkoholischen Getränken diente schon immer als beliebte und gesicherte Einnahmequelle. In Obergriesbach wurde der Lokal-Malz- und Bieraufschlag im Jahre 1908 erstmalig eingeführt. Die Begründung dafür war auch bereits damals die schlechte Finanzlage der Gemeinde. Im Beschluss vom 20. Januar heißt es: „Die finanzielle Lage der Gemeinde ist infolge der Schuldenlast und der damit verbundenen Schuldentilgung und Verzinsung eine außerordentlich gedrückte. Dem Schuldenstand von insgesamt 12.700 Mark mit jährl. Kapitaltilgung von 700 Mark und einer Verzinsung von 468 Mark, also zusammen 1.168 Mark, steht nur ein Steuersoll von 1.400 Mark gegenüber, sa dass der Voranschlag für 1908 eine Gemeindeumlage von 260% erfordert, was in anbetracht der Steuerkraft der Gemeinde unerschwinglich erscheint. Es muß deshalb nach weiteren Einnahmen umgesehen werden und es steht der Gemeinde nur der Weg offen, den Bieraufschlag einzuführen. Es wird deshalb einstimmig beschlossen, den Bierpfennig für sämtliche in der Gemeinde verzapften Fass- und ausgeschenktem Flaschenbier zu erheben, und zwar 60 Pfennig pro Hektoliter, mit dem Zusatz, dass Herr Reichsrat Freiherr von Gravenreuth sich bereit erklärt, pro Hektoliter 1 Mark an die Gemeindekasse zu verabfolgen, was hiermit angenommen wird."



Aus Kapitel  4

Das Gemeindegebiet

Michael Wening beschreibt Obergriesbach um 1700: ".... Der Orth ist sonst mittel mäßigen Feldbaus, die Gegend uneben, der Lufft jedoch gesund und kein Morast vorhanden..." Auch andere Reiseschriftsteller bezeichnen den Ort als ruhig gelegen und mit mildem, sehr gesundem Klima. Diese günstigen Bedingungen sind bis heute im Wesentlichen erhalten geblieben. Gewiss, es fehlt alles was heute für die Freizeitgesellschaft so begehrt ist: Seen und Berge. Wem aber stille Weiher, schmale Bäche, lichte Wälder und sanfte Hügel einen Reiz gewähren, der kommt hier sicher auf seine Rechnung. Selbst dem eiligsten Besucher muss an manchen Plätzen eine Ahnung von dem aufgehen, was "Heimat" bedeutet. Aber nicht nur die abwechslungsreiche Landschaft, sondern auch die zentrale und trotzdem ruhige Lage der Ortsteile hebt die Lebensqualität für die Bewohner. Die Fernstraßen mit ihrem Motorenlärm halten sich in anständiger Entfernung von dem ruhebedürftigen Zeitgenossen.

  Diese Fernstraßen sind dennoch wichtig, sie sind schnell erreichbar und gewähren eine rasche Verbindung an die Großstädte Augsburg und München über die B 300 und die Autobahn A 8.

  Der höchste Punkt der Gemeinde liegt in Zahling am Wasserturm bei 528,54 Meter über NN, der tiefste im Paartal, an der Gemarkungsgrenze zu Sulzbach, bei 455,40 Meter über NN. Den GPS Koordinaten gemäß liegt die Kirche in Zahling auf der nördlichen Breite von 48° 25' 47'' und der östlichen Länge von 11° 02' 00'', die Kirche in Obergriesbach auf der nördlichen Breite von 48° 25' 17'' und der östlichen Länge von 11° 03' 60''. 

  Im Jahre 1880 umfasste die Gemarkung Zahling 353 Hektar und die Gemarkung Obergriesbach 614 Hektar. Durch die Gebietsreform entstand am 01. Juli 1972 aus den Gemeinden Zahling und Obergriesbach eine neue Einheitsgemeinde.  Dieses Gebiet umfasst heute  1024 ha, davon sind 70 ha Wald und 870 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Obergriesbach ist flächenmäßig die kleinste Gemeinde im Landkreis Aichach-Friedberg.


Das Schloss von Obergriesbach

Eine Federzeichnung von Apian aus der Mitte des 16. Jahrhunderts zeigt das Schloss von Obergriesbach in seiner ganzen Pracht, er bezeichnet es als "arx splendida, ein prächtiges Schloss". Ein dreigeschossiger Bau mit steilen, zinnengekrönten Giebeln, daneben ein einzelner Turm mit Satteldach und Stufengiebel, sowie die Schlossmauer mit runden Ecktürmen. Ein Bau, der alle anderen in unserer Gegend größenmäßig übertraf und die Bedeutung der Besitzer unterstrich.

  Dieses Schloss hat den dreißigjährigen Krieg nicht überstanden. Der Chronik von Michael Wening nach ist es 1632 aus Furcht, es werde dem Feind in die Hände fallen, abgebrannt worden. Bei diesem Brand gingen neben den Gebäuden natürlich auch wertvolle Dokumente verloren, die möglicherweise über die vorherigen Jahrhunderte hätten Auskunft geben können.

  Wenings Topografie von 1701 zeigt ein neues Schloss, jetzt als eingeschossiges langes Gebäude mit hohem Satteldach, ebenfalls umgeben von einer Mauer in der noch ein alter Wehrturm integriert ist. Auf dieser Abbildung ist auch schön das große Gebäude unterhalb des Schlosses dargestellt, die heutige Schlosswirtschaft. Möglicherweise wurden beide Gebäude als Wohnungen genutzt, denn ein noch bestehender unterirdischer Gang verbindet beide Häuser.

  In den neuen Katastern von 1827 ( Nr. 1185 u. 1187 ) gehörte zum Schlossgut folgender Besitz: Plannr. 19 Schloss, 0,13 Tagwerk, Pl.-Nr. 17 Wohnhaus und Hofraum, 1,85 Tgw., Pl.-Nr. 20 Bräuhaus, 0,28 Tgw., Pl.-Nr. 7 Ziegelstadel, 0,14 Tgw., Pl.-Nr. 18 Schlossgarten, 1,44 Tgw., Pl.-Nr. 21 Berg hinterm Schloss, 1,01 Tgw., Pl.-Nr. 31 1/2 das lange Gärtl, 0,13 Tgw., Pl.-Nr. 28 Wurzgarten, 0,18 Tgw., Pl.-Nr. 8 Bräuhausgarten, 1,56 Tgw. Der Gesamtbesitz betrug 866, 71 Tgw., davon  Häuser und Gärten 21,93 Tgw., Äcker 101,07 Tgw., Wiesen 30,77 Tgw., Wälder 704,90 Tgw., Weiher 8,04 Tgw.

  Im Jahre 1820 vernichtete ein Feuer fast alle Gebäude. Das Schloss, die Wirtschaft, der Pfarrhof und das Mesnerhaus brannten völlig ab. 1928 brannte wiederum ein Teil der Wirtschaftsgebäude ab, wurde aber im nächsten Jahr wieder aufgebaut. 1990 zerstörte ein Brand den Pferde- und Heustadel. Der zuletzt noch vorhandene Stadel wurde wegen Einsturzgefahr 2003 abgerissen. Von den alten Gebäuden sind somit heute nur noch das Schloss und die Wirtschaft erhalten, letztere war in sehr bedenklichem Zustand, bis sich die Gutsverwaltung Affing entschloss, eine Generalsanierung durchzuführen. Im Frühsommer 2004 wurde damit begonnen und im Herbst abgeschlossen. Nun strahlt das Haus in seinem neuen Gewand wieder die Gediegenheit aus, wie es von so einem Gebäude zu erwarten ist.

  Dauerhaft bewohnt wurde das Schloss von der Familie von Gravenreuth. Freiherr Ulrich von Gravenreuth war bis zu seinem Tode 1942 der letzte adelige Bewohner des Schlossgebäudes. Danach wohnte dort der Förster Fischer mit seiner Familie. Heute wird das Schloss teils als Wohnung für Angestellte der Forstverwaltung v. Gravenreuth, teils als Büro- und Schulungsraum der Abenteuerschule genutzt.


Aus Kapitel  5

Die Kirche von Obergriesbach

Die dem heiligen Stephanus geweihte Kirche steht im Ortskern von Obergriesbach. Der mächtige Zwiebelturm mit seinen 32 Metern Höhe und der 29 x 11 x 9  Meter große Kirchenbau sind, von Osten oder Süden kommend, weithin sichtbar.

  Wann die erste Kirche in Obergriesbach erbaut wurde und welche Größe sie hatte ist nicht mehr festzustellen. Dass es eine kirchliche Einrichtung gegeben hat ist erst ab 1177 nachweisbar. Am 28. April bestätigt Papst Alexander III. und am 31. Mai Kaiser Friedrich I. dem Kloster Biburg die Schenkung Obergriesbachs. Im Text heißt es:  "....Grizphac cum ecclesia et usu....", d. h. " Griesbach mit Kirche und Gütern".

  Ob noch die Herren von Griesbach mit Hilfe von Kloster Biburg den Bau einer größeren Kirche begannen ist eher unwahrscheinlich. Es sind auch keinerlei Beweise wie Grabsteine oder ähnliches vorhanden. Es kann also davon ausgegangen werden, dass das erste große kirchliche Gebäude zusammen mit dem Schloss von den Herren von Weichs errichtet wurde. Dies untermauert auch die Zeichnung von Apian aus der Zeit um 1560. Die Ähnlichkeit der Architektur zwischen Schloss und Kirche ist deutlich zu erkennen.

  Beim großen Brand von 1632 ist wohl die Kirche mit zerstört worden, jedoch nicht der Turm. Sein quadratischer Grundriss ist auf einem Stich von Wening um 1700 zusammen mit einem neuen Kirchengebäude dargestellt.


Die Kirche von Zahling

1778 erbaut ist die Zahlinger Pfarrkirche ein Kind des späten Rokokos. Jakob Hopp schreibt 1893 darüber: "einschiffig und gut akustisch, klein und freundlich, aber etwas feucht". Diese Gotteshaus, dem heiligen Papst Gregor I. geweiht, ist allerdings nicht die erste Zahlinger Kirche. Davon zeugt die älteste und kleinste Glocke im Turm, die auf das Jahr 1666 datiert ist und von Wolfgang Neidhard gegossen wurde. Davon zeugt aber auch der mit einer Kronenhaube verzierte Kelch, den im Jahre 1710 Freifrau Anna Justina von Weichs den Zahlingern vermacht hat. "Anna Justina Freyfrau von Weichs, geborene Freyin von Pelckoven" ist in das vergoldete Cimborium eingraviert, das noch heute bei den Messfeiern benutzt wird.

  Bis ins frühe Mittelalter lässt sich die Geschichte der Zahlinger Kirche zurückverfolgen. Anfangs des 14. Jahrhunderts vermachte ein gewisser Gunther das Gotteshaus samt einem Hof von etwa 40 Tagwerk dem Domkapitel von Augsburg. Von dort aus wurden in der Folgezeit auch die Zahlinger Pfarrer eingesetzt.

  In den folgenden Jahren ließen vor allem die Weichser der Zahlinger Kirche einiges zukommen. Das Wappen, das über dem Mauerbogen zum Altarraum zu sehen ist, stammt aber von dem Geschlecht derer von Thurn und Taxis. Unter ihre Herrschaft fiel der Kirchenneubau 1778. Doch erst elf Jahre danach, 1789, weihte Weihbischof Johann Nepomuk Freiherr von Umgelter, der Bischof von Celle, den Bau und übergab ihn damit endgültig seiner Bestimmung.


Aus Kapitel  8

Von Elefanten und Nashörnern

Auch unser Landkreis war vor 15 Millionen Jahren Lebensraum riesiger Säugetiere. Zahlreiche Funde in Kiesgruben unserer Gegend weisen auf das Vorhandensein solcher Tiere, wie z. B. Elefanten oder Nashörner hin. Aber auch vielfältige Knochenfunde von kleineren Lebewesen, von der Maus bis zu rehähnlichen Tieren, zeigen, dass sich das Artenspektrum vor Millionen von Jahren in ganz anderer Form zusammengesetzt hat als es heute der Fall ist. Dem geübten Auge von Ludwig Schweizer aus Zahling entgehen bei seinen Streifzügen durch die Sandgruben der Umgebung kein Knochen und kein Zahn. Die Ergebnisse seiner archäologischen Sammlerleidenschaft, viele hunderte von Einzelstücken, sind geordnet und exakt bezeichnet in speziellen Schränken archiviert.


Aus Kapitel  9

Die Flurbereinigung

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft erforderte aus Gründen der Kostensenkung für die Betriebe eine Zusammenlegung der zu bearbeitenden Flächen.

  Der Gemeinderat von Zahling erkannte diese Problematik schon früh und beantragte bereits am 09. Dezember 1953 eine Flurbereinigung. Die gemäß den staatlichen Vorschriften nötige Aufklärungsversammlung  für die Landwirte fand am 15. März 1957 statt. Am 30. September konnte der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft gewählt werden. Es waren dies Konrad Fischer, Anton Seyfried, Johann Mahl, Karl Bitzl, Vitus Lenz, Ludwig Michl, Stellvertreter waren Karl Nachtrub, Peter Nodlbichler, Josef Breitsameter, Josef Langenegger, Ignaz Kreutmayr und Johann Fischer. Die Abmarkungen und Absteckungen des neuen Wege- und Gewässernetzes konnte noch 1957 vollzogen werden. Die nun nötigen Erdbewegungen, Transportleistungen und sonstige Arbeiten wurden überwiegend von den Zahlinger Landwirten selbst ausgeführt und waren bis zum Herbst 1959 abgeschlossen. Die dem Austausch unterworfenen Fläche betrug 280 Hektar. Die Gemeindefläche hat sich durch die Flurbereinigung von 499 ha auf 503 ha erhöht, dies ergab sich durch geringfügige Änderungen an den Grenzen zu den benachbarten Gemeinden. Der Eintritt des neuen Rechtszustandes nach der Flurbereinigung war der 4. März 1963, die endgültige Schlussfeststellung am 24. August 1965

  Obergriesbach stellte am 06. April 1957 den Antrag auf Flurbereinigung. Bis jedoch die amtlichen Vorgaben erfüllt waren vergingen etliche Jahre und die erste Versammlung zur Aufklärung über das Vorhaben fand dann am 03. Dezember 1963 statt. Am 25. März 1964 wurden die Vorstandswahlen für die Teilnehmergemeinschaft durchgeführt. Den Vorstand bildeten Andreas Friedl, Josef Stemmer, Stefan Asam und Hans Hartl, zu Stellvertretern wurden gewählt Xaver Failer, Anton Rupp, Mathias Schormair und Josef Pflugmacher.

  In der Zeit von Mai 1964 bis Dezember 1969 wurden die Absteckungen und Abmarkungen festgelegt, die Wünsche der Betroffenen kamen zur Erörterung, die Schätzungen für die zu ändernden Grundstücksanteile wurden vorgenommen, ein Neuverteilungsplan wurde erstellt, vorgelegt, erörtert und genehmigt.

  An den Gemarkungsgrenzen der Gemeinde hat sich durch die Flurbereinigung nichts wesentlich geändert. Lediglich westlich der Paar wurden einige kleine Grundstücke der Gemarkung Gallenbach der Gemarkung Obergriesbach zugeschlagen.

  Die technischen Maßnahmen, wie Erdbewegungen, An- und Abtransport von Sand bzw. Aushub und auch der Wegebau wurden Anfang 1970 begonnen und bis Mitte 1971 beendet. Den größten Teil dieser Arbeiten führten die betroffenen Landwirte in Eigenleistung aus.

  Am 27. Juli 1971 wurde die Flurbereinigungsmaßnahme Obergriesbach amtlich für beendet erklärt.


Aus Kapitel  10

Die Elektrifizierung

Der Anschluss Obergriesbachs an das Stromnetz der Lechelektrizitätswerke erfolgte am 25. August 1914. An diesem Tage ging die erste Trafostation mit der Nr. "224 Annastr." mit einer Leistung von 125 KVA in Betrieb. Mit steigender Bevölkerungszahl war 1954 eine Vergrößerung auf 160 KVA nötig. Dieser Trafo wurde das erste Mal 1965 und das zweite Mal 1972 ausgewechselt. 1989 wurde dieser Trafo nochmals umgebaut und auf eine Leistung von 400 KVA gebracht.

  In den Jahren von 1964 bis 1990 wurden weitere 10 Trafostationen mit den Nummern 224 A bis 224 K errichtet.

  Mit der Erschließung des Baugebietes "Bahnweg" ging am 06. Oktober 1998 die Trafostation 224 L in Betrieb.

  Die Inbetriebnahme der ersten Straßenbeleuchtung in Obergriesbach war am 14. April 1971. Damals umfasste die Beleuchtung 22 Leuchtstofflampen mit je 100 Watt und wurde von einer Schaltstelle in der Annastrasse gesteuert. Im Juni 2003 sind für die Straßenbeleuchtung 5 Schaltstellen mit insgesamt 227 Lampen vorhanden.

  Die alten quer über die Straße hängenden Lampen werden fortlaufend durch Lampenmasten ersetzt, in den neuen Baugebieten auch von der Form her dem heutigen Geschmack entsprechend. In den nächsten Jahren sollen die alten Leuchtstofflampen zur Energieeinsparung durch Halogenlichter ersetzt werden.


Das Haus der Bäuerin

Einen großen Bekanntheitsgrad erlangte Zahling durch die Errichtung von Gemeinschaftsanlagen für die allgemeine Benutzung durch die Einwohner. Zuerst wurde im Sommer 1953 eine Gemeinschaftswaschanlage mit einer 25 kg fassenden Maschine mit Holzfeuerung in Betrieb genommen. Als nächstes folgte als Ergänzung zur Wäscherei Mitte 1954 die Eröffnung eines "Haus der Bäuerin". Darin wurden Elektrogeräte wie Wäschetrommel, Heißmangel, Bügeleisen, Backofen, Küchenmaschinen, Elektroherd, Sackflickmaschine, Dosen-Verschlussapparat und anderes, sowie eine weitere Waschmaschine bereitgestellt. Auch die nötigen Gerätschaften zum Schlachten und Räuchern waren vorhanden. Ebenfalls eingerichtet wurde eine Mosterei.

  Die gesamten Anlagen waren im Erd- und Kellergeschoß der neuen Schule untergebracht. Laut § 1 der  Satzung standen die Anlagen jedermann zur Verfügung. Weiter heißt es in diesem § 1: "Das Haus dient insbesondere der Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung und Gesundheitspflege und hat vor allem den Zweck, die arbeitende bäuerliche Bevölkerung der Gemeinde Zahling und Umgebung von hauswirtschaftlichen Arbeiten zu entlasten. Durch den Betrieb des Hauses der Bäuerin darf kein Gewinn erstrebt werden".

  Als wichtige Ergänzung zum Haus der Bäuerin wurde Anfang 1955 ein Gebäude mit Tiefkühlanlagen, Garagen und Verkaufsraum eröffnet. Die 54 Kühlfächer mit je 180 Liter Fassungsvermögen konnten auch von Einwohnern aus Edenried und Neuhausen genutzt werden.

  Im Jahre 1962 wurde für die Mosterei ein eigenes Gebäude errichtet weil die Lärmbelästigung für den Unterrichtsbetrieb in der Schule zu stark geworden war.

  Mit dem wachsenden Wohlstand gingen aber immer mehr Haushalte dazu über, sich eigene Hausgeräte anzuschaffen. Dadurch verloren die Gemeinschaftsanlagen ihre ursprünglichen Funktionen und mussten aufgelöst werden. Die endgültige Schließung wurde 1978 vollzogen.

Einzig überlebt hat lange Zeit die Mosterei, die seit 1975 von der Familie Mahl betrieben wurde. Es war im weiten Umkreis der einzige Betrieb dieser Art, wo man aus seinen eigenen Äpfeln oder Birnen Saft machen konnte. Brennmaterial und Flaschen hatte man selbst mitzubringen und das Anpacken beim Pressen und Abfüllen wurde als selbstverständlich erwartet. Der übrig bleibende Apfeltrester wurde zur Wildfütterung an interessierte Jagdpächter abgegeben. Leider musste im Jahre 2002 auch die Mosterei wegen gesundheitlichen Problemen im Hause Mahl, geschlossen werden.


Aus Kapitel  12

Die Eisenbahn

Bereits 1861 wurde dem damaligen bayerischen König Maximilian II. ein Kostenvoranschlag zur Errichtung einer Bahnlinie zwischen Augsburg und Ingolstadt vorgelegt. Dieses Vorhaben wurde von allen größeren Orten entlang der geplanten Strecke unterstützt, auch Herzog Max, der sich oft in Unterwittelsbach aufhielt, befürwortete das Projekt und so wurde bereits am 17. Juli 1862 der Projektierungsauftrag für die Paartallinie erteilt.

  Dass die Eisenbahn zur damaligen Zeit mit Abstand das effektivste Transportmittel war, wusste natürlich auch die militärische Führung in Bayern. Diese favorisierte dann auch zuerst die Verbindung von der Landeshauptstadt aus über Dachau zur Landesfestung Ingolstadt. Ausschlaggebend für den endgültigen Bau der Paartalbahn war dann, dass eine Verbindung zwischen der Garnison Ingolstadt und dem wichtigen Artillerie-Schießplatz auf dem Lechfeld vom Militär gefordert wurde.

  Das Gesetz zum Bahnbau wurde am 25. Mai 1869 verkündet und da die Planungen bereits weitgehend abgeschlossen waren erfolgte im Mai 1872 der erste Spatenstich. Das Baulos Nr. 5 von Taiting bis Sulzbach mit 3,9 km Länge wurde am 28. Januar 1874 an die Firma Lefernz aus Straß vergeben. Zu diesem Streckenabschnitt ist eine Einschätzung von 1873 interessant: " Obergriesbach wird keine größere Bedeutung erlangen, weil belebte Straßenzüge nicht nach dort führen ".

  1875 war dann die Paartalbahn Augsburg - Ingolstadt fertig gestellt. Am 02. April unterzeichnete König Ludwig II. die Genehmigungsurkunde zur Betriebseröffnung. Ab 01. Mai verkehrten die ersten Güterzüge und am 15. Mai wird der fahrplanmäßige Personenverkehr aufgenommen und zwar mit je vier Zügen in beiden Richtungen.

  Im Bahnhofsbereich von Obergriesbach war die Strecke zweispurig und da die Weichen nur von Hand betätigt werden konnten, gab es dort je ein Wechselwärterhäuschen, das zugleich auch Wohnhaus für die Wärter und ihre Familien war. Nach Einführung der zentralen Stellwerkstechnik wurden die Posten überflüssig, die beiden Gebäude dienten noch eine Weile als Wohnung, wurden aber dann abgerissen.

  Die Bedienung von Schranken, die ursprünglich an allen Bahnübergängen vorhanden waren, erfolgte durch Schrankenwärterposten. Nach dem zweiten Weltkrieg waren viele Übergänge unbeschrankt, da das Holz verheizt wurde. Das ist wohl auch der Grund dafür gewesen, dass am 13. September 1946 ein Ochsenfuhrwerk mit einer Lok kollidierte. Erst ab Mitte der fünfziger Jahre wurden Blinklichtanlagen errichtet. Die Bahnübergänge im Bereich Obergriesbach  wurden im Sommer 2003 vollständig saniert und technisch auf den neuesten Stand gebracht.

  Im Jahre 1935 wurde erstmals auch ein Motortriebwagen eingesetzt und die Zahl der Züge erhöhte sich auf sieben Paare. Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges brachte, wie bereits auch im ersten Weltkrieg, starke Einschränkungen im Zugverkehr, bis zum völligen Erliegen im Frühjahr 1945. Grund hierfür waren die Tieffliegerangriffe der Alliierten. Der erste Angriff war am 31. Oktober 1944, im Bahnhof Obergriesbach wird ein Personenzug beschossen und zum Entgleisen gebracht, der nächste Angriff am 10. April 1945 zerstörte einen Güterzug. Die schlimmsten Angriffe waren am 22. und 23. April 1945. Durch Beschuss und Bombenabwurf starben zwei Soldaten, drei Reisende und ein Eisenbahner wurden verletzt.

  Von Anfang 1946 bis Juni 1948 gab es wieder bescheidenen Zugverkehr, doch wegen Kohlemangels fielen immer wieder Züge aus. Eine erste Blütezeit erlebte die Paartalbahn Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre. Dann ging es aber leider wieder recht schnell bergab, bis zu Plänen der totalen Stilllegung. Erst ab Ende 1989 besserte sich der Zustand, da die Paartalbahn in den Augsburger Verkehrsverbund ( AVV ) aufgenommen wurde.

  Der Fahrplan 2004 weist inzwischen von Obergriesbach 32 Verbindungen nach Aichach und 36 Verbindungen nach Augsburg  aus. Die Züge fahren zwischen Augsburg und Ingolstadt im Stundentakt. In der Hauptverkehrszeit morgens und abends gibt es zwischen Augsburg und Aichach einen Halbstundentakt. Der Fahrplan ist auf die Busverbindungen des AVV abgestimmt.

  Längst schnauben keine fauchenden Dampfrösser mehr auf den Schienen der Paartalbahn, modernste Triebzüge der Reihe VT 642 bringen heute die Reisenden und Pendler zu ihren Zielpunkten.

  Den Anschluss an die Neuzeit verpasst hat das Bahnhofsgebäude. Die Gemeinde versucht bereits seit 1997 die Bahn dazu zu bewegen, das Gebäude instand zu halten, wie man leider feststellen muss, bis dato völlig erfolglos.





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